Eléctricos und Elevadores

Zwei der Wahrzeichen Lissabons stellen unzweifelhaft die historischen Elevadores und Straßenbahnen dar. Gegen Ende des 19. Jh. revolutionierte zunächst die Einführung der Aufzüge den öffentlichen Verkehr. Zahlreiche Berg- und Standseilbahnen erleichterten nun die Überwindung der teils großen Höhenunterschiede im Stadtgebiet Lissabons. Kurze Elevator Santa GloriaZeit später allerdings wurde mit Einführung der elektrischen Straßenbahn ein Großteil der Elevadores bereits wieder verdrängt. Heute zeugen noch drei Elevadores von der damaligen Ingenieurskunst. Überlebt haben auch drei Straßenbahnlinien, die seit Anfang des letzten Jahrhunderts auf und ab durch die teilweise engen und steilen Gassen rattern. Obwohl das Liniennetz in der Vergangenheit mehr und mehr zugunsten von Bus und modernen Stadtbahnwagen geschrumpft ist, werden diese Linien nach wie vor mit den antiquierten Wagen bedient.

Eine Rundfahrt um den Burgberg unternahmen wir mit der Eléctrico N° 12, die am Praça de Figueras beginnt und auch endet. Nach ca. 4 min versperrte ein falsch parkendes Fahrzeug die Durchfahrt, und nach mehrmaligemElectrico vor dem Arc Triomf Dauerklingeln war klar, das der Fahrer nicht in der Nähe weilte. Es folgte eine knappe Stunde Wartezeit und eine schöne Sicht auf den Lissabonner Alltag. Vorbei kommende Passanten geben Kommentare zur Situation ab und unterhalten sich mit dem Fahrer, ebenso wie die einheimischen Fahrgäste. Die Polizei erschien mehrmals, ohne allerdings eine Lösung für die Situation zu präsentieren. Diese ergab sich erst, als der Halter des Autos zurückkam. Ab jetzt wurde die Fahrt zum Straßenbahnhighlight; wie die Bahn den Burgberg erklimmt und nur wenige cm an den parkenden Autos vorbeizieht, ist schon bemerkenswert. Die Bremse wird ihrer zugedachten Aufgabe mehr als gerecht, besonders bei der ebenso steilen wie kurvigen Abfahrt durch die Alfama.

ElectricoDie zweite Linie wird von der Eléctrico N° 28 bedient und verkehrt zwischen dem Praça Martin Moniz und dem Prazeres Friedhof. Wie bei der Linie N° 12 geht es mehrmals steil auf und ab, eine ganze Fahrt dauert im Normalfall eine knappe Stunde, allerdings war der Normalfall bei unseren Mitfahrten die Ausnahme. Auf der Strecke werden zahlreiche der Lissabonner Sehenswürdigkeiten passiert, so das eine Fahrt, neben dem Tramerlebnis an sich, fast ein touristisches Muss ist. Wir fuhren mehrmals auf Teilstrecken mit, und fast immer war der Einzelwagen proppenvoll.

Einen Überblick über die Geschichte des ÖPNV und damit einschließend über die Entwicklung der Eléctricos bietet das Museu de Carris. Da wir am internationalen Museumstag vor Ort sind, ist der Eintritt gratis.  Von den Ausstellungsstücken zur Geschichte des ÖPNV Lissabons bekommen wir allerdings nur weitestgehend visuell etwas mit, da das meiste in portugiesischer Sprache gehalten ist. Nach dem theoretischen Ausstellungsteil bringt uns eine Museumsbahn über das Gelände des Straßenbahnhofes zur Ausstellungshalle, wo alle Typen der Eléctricos sowie einige Busse exponiert sind.

Museu de Carris im Web